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Zum Nachdenken – Teil 4: Nach der Zukunft Ausschau halten

Foto: unsplash, Blair Fraser

Wir haben in unserer Kirche in den vergangenen Jahren zahllose Umstrukturierungsprozesse durchgeführt. Bei allem Reformwillen stand dahinter die Sehnsucht: wie flicken wir uns unsere Kirche so zurecht, dass alles so bleiben kann, wie es ist. Das aber erschöpft. Erschöpfung ist der Verbrauch der inneren Kraft, die wir benötigen, um aufzubrechen. Wer sich erschöpft, zieht sich auf sich selbst zurück. Gegen Herausforderungen werden die üblichen Handlungsmuster abgespult, die aber nicht mehr helfen. Das Bollwerk des Widerstandes und der Abwehr wächst. Dahinter setzt ein destruktiver, zukunftsabwehrender Prozess ein: gegen eine böse Welt, gegen eine schlechte Kirche. Das Empfinden, ausgeliefert zu sein, wächst. Kreativität und Vitalität erschöpfen sich dahinter. Gegen den Prozess der Erschöpfung brauchen wir einen Prozess der Regeneration.

Der Prozess der Regeneration ist das genaue Gegenteil des Rückzugs auf sich selbst und des üblichen Abspulens vertrauter Denk- und Handlungsmuster. Der Prozess der Regeneration führt tiefer und ist grundlegender als Veränderungsprozesse, die bloß reaktiv auf Herausforderungen antworten, oder auch neue Strukturen entwickeln (Re-strukturierung oder Re-organisation), neue Prozesse gestalten (Re-designing) oder neue Konzepte entwickeln (Re-framing). Statt eines bloßen „weiter so“ oder der sich verschließenden Rückkehr ins gestern geht es um ein Handeln aus der eigenen Berufung im Licht der Gegenwart Christi. Dafür müssen neue (soziale) Formen der Anwesenheit und der Gewärtigkeit eingeübt und in den Veränderungsprozess eingepflegt werden, die zugleich untereinander verbinden und innere Quellen der Kreativität erschließen.

Eine wesentliche Ressource im Prozess der Regeneration ist die Zeit. Verlangsamung erlaubt neue Wahrnehmung. Wahrnehmung meiner Denkmuster, meiner eingeübten Verhaltensformen … und unterbricht so das reaktive Downloaden von Denk- und Handlungsschablonen. Verlangsamung geschieht durch Unterbrechung. Durch Unterbrechung des „Üblichen“. Unterbrechung in der Begegnung mit anderen und Ihre Fragen, Wahrnehmungen, durch ihr Feedback. Wir lernen miteinander neu zu sehen, neu zu denken und neu zu wollen.
Gelingt das, stellen sich kreative Momente ein, in denen neuen Möglichkeiten erspürt werden. Es sind geisterfüllte Augenblicke. Momente der Inspiration, voller schöpferischer Kraft, voller Intuition. Sie stellen sich immer in oder aus dem gemeinschaftlichen Erleben ein. Häufig vollzieht sich in diesen Augenblicken ein innerer Sprung: Ich lasse Altes und Gewohntes los. Ich wage, zunächst nur innerlich, den Sprung in einen neuen Möglichkeitsraum. Hier braucht es viel Zeit, viel Ruhe.

Aber dann, dann muss es ab gehen. Rasch ins Handeln kommen. Die Idee skizzieren. Erste Umrisse festhalten. Und ausprobieren. Ausprobieren, hinfallen, wieder aufstehen und weiter machen. Nun beginnt die Phase der Mühe. Des Prüfens. Des Entwickelns bis hin zu dem Moment der öffentlichen Performance. Sie merken: Jede Phase hat ihr eigenes Tempo. Unser quantifizierender Umgang mit der Zeit kann das gar nicht angemessen benennen. Eher können wir aus der Musik lernen: andante, adagio, plötzliches furioso. Leider akzentuieren wir oft genau umgekehrt. Wir beschleunigen, wo wir zur Ruhe kommen müssen. Wir bremsen, wenn es in die Aktion gehen muss.

Die Zukunft, von der die Bibel kündet, ist die Zukunft, die Gott uns schenkt. Im Vertrauen auf Gottes Zukunft machte sich Abraham aus Ur auf, zog das Volk Israel aus Ägypten, begab sich Jesus nach Jerusalem, brach Paulus nach Europa auf. Niemand von ihnen kannte die Geschichte, auf die er sich einließ. Trotzdem wagten sie sich auf den dünnen Boden der Verheißung. Sie wagten es im Vertrauen darauf, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Sie wagten es in dem Glauben, „dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraftgeben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein“ (Dietrich Bonhoeffer). Sie wagten es, ohne selbst die Ernte schauen zu dürfen. Sie glaubten trotzdem.

Die Kirche geht nicht unter, sie verändert sich. Bloß weil eine Gestalt von Kirche aufhört, hört nicht die Kirche auf. Die Kirche lebt aus der Gegenwart Christi – und ihrem Mut, ihr zu trauen und im Alltag nachzugehen.

4 Kommentare

    • Christoph Nötzel sagt

      Wir freuen uns, wenn unsere Blogbeiträge zB über Facebook geteilt und verbreitet werden!

  1. Pingback: Zum Nachdenken – Teil 3: Nach der Zukunft Ausschau halten | glaubensreich

  2. Ullrich Papschik sagt

    Das EkiR Internet Angebot Glaubensreich faszinierte mich und hier besonders das begrüßende Sternen Weltall- Bild dieses Beitrages “ nach der Zukunft Ausschau halten“. Daher möchte ich das nachfolgende Thema vorstellen, weil ich bisher noch nicht so richtig ein Forum in der Kirche dazu gefunden habe und nicht gleich in die Ecke Horoskope , Wahrsagerei oder Sterndeuterei gestellt werden möchte.
    Edelsteine gehören genau so wie Sterne zur Bibel nur man muß die Themen richtig deuten , nur wie richtig , wo und wie ? ?
    Dazu würde sich auch die in Auflösung befindliche Bonner Sternwarte in der Vulkaneifel eignen ( siehe auch SternwARTe-Vulkaneifel).
    Die Bibel gilt als ältestes Lehrbuch über Edelsteine. Diesen Satz hört man mit Spannung bei der Besichtigung des Edelsteingartens in der Hunsrückgemeinde Kempfeld.
    Im Jahr 2010 unternahm die Ev. Kirchengemeinde Bitburg einen Ausflug zum biblischen Edelsteingarten in die Hunsrückgemeinde Kempfeld, woran der Verfasser, seine Frau Monika und weitere Gemeindemitglieder mit Begeisterung teilnahmen.
    Über die Internetseite (www.bibelgarten.de), die Seite der Gemeinde Kempfeld oder die Edelsteinstraße Idar -Oberstein wird man auf den biblischen Edelsteingarten aufmerksam. Es ist schon spannend, wenn man im Edelsteingarten neben ca. 100 Edelsteinarten auch die Edelgrundsteine der ewigen Stadt nicht nur erklärt bekommt sondern selbst besehen, fühlen und spüren kann,
    mit welchen Edelsteinen die Mauern des neuen Jerusalems erbaut sind.

    Als Leser der Bibel und Christ stößt man in der Bibel immer wieder auf Hinweise die auf die Endzeit hinweisen, vor die uns schon Jesus warnt. Wann wird das geschehen und wie zeigt sich die Wiederkunft und das Ende der Welt fragten schon die Jünger Jesu ? Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde in der ihr es nicht erwartet. ( Matth. 24, 3 – 44)
    Am Ende des neuen Testamentes, in der Offenbarung 21; Verse 09 – 27 und 22, 1- 5 wird von Johannes die heilige Stadt Jerusalem beschrieben, die von Gott her aus dem Himmel kam. In Ihr war Licht wie kostbarster Edelstein aus Kristall hellen Jaspis.
    Die Stadt hatte 12 Tore wie Perlen geformt und von 12 Engeln oben drauf, bewacht.
    Die ganze Stadt und die Straßen sind aus reinem GOLD.
    Die Grundmauern der Stadt bestehen aus 12 Grundsteinen aller Art mit den 12 Namen der Stämme Israels. Die Grundsteine sind aus Jaspis, Saphir, Chalzedon, Smaragd, Sardonyx, Sardion, Chrysolith, Beryll, Topas, Chysopras, Hyazinth und der 12. Stein ist ein Amethyst.
    Die Mauern sind aus reinen Jaspis, in Form eines gleich großen und hohen Vierecks.
    von 12.000 Stadien ( 1 S = 188 m), sowie eine Mauerbreite von 144 Ellen (1 E = 52 cm ).
    ( = 2.256.000 m = 2256 Km x 74, 88 m Breite )
    Mitten in der Stadt fließt ein Strom mit dem Wassers des Lebens, klar wie Kristall, er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus ( Offb. 22, 1) .
    Der Engel sagte aber auch, versiegelt das Buch mit diesen prophetischen Worten nicht,
    denn die Zeit ist nahe. ( Offb. 22, 10 ).
    Soweit die biblische Prophetie, Jesus sagte aber auch, dass seine Jünger auf die Zeichen der Zeit achten sollen. Auch die Geburt Christi wurde durch einen Schweifstern bzw. eine Ansammlung von günstig stehenden Sternen die dieses Schweifsternen – Bild am Himmelszelt zeigten, dargestellt ( Math. 2,1-11).
    Die heutigen modernen Himmelsforscher erforschen das Weltall mit elektronischen Teleskopen um andere Galaxien, schwarze Löcher, das Ausdehnen des Weltalls oder Lebewesen auf weit entfernten Erd ähnlichen Trabanten zu entdecken und um zu erforschen wie die Erde und alles um uns herum entstanden ist. Das sind praktisch die Spurensucher der Urknallthese, .
    Beim Lesen der Tageszeitung sind mir von 2002 bis zum Jahr 2011 Berichte über Gold – und Diamantensterne aufgefallen, die mich an das biblische Jerusalem erinnerten.
    In Abständen von zwei mal zwei und fünf Jahren wurden Berichte veröffentlicht nach denen Forscher in den USA und Deutschland in den Jahren 2002, 2004, 2006 und 2011 Sterne entdeckten, die sich im Weltall bewegen und fast nur aus Gold oder in Diamantform bestehen sollen. Der Sternenbericht aus dem Jahr 2004 beschreibt z. B. einen Großdiamanten in der Milchstraße von 4000 km Durchmesser und einer Karatzahl von zehn Milliarden, Billionen, Billionen, so dass er für das neue Jerusalem groß genug wäre. Die Entfernungen von der Erde zu den Planeten beträgt zwischen 50 und bis zu 2500 Lichtjahren, aber was sind bei Gott schon Zeiten und Jahre ( Psalm 90, Vers 4 ) 1000 Jahre sind bei Dir wie ein Tag.( oder lese bei Psalm 96, 5 , 11; Ps. 97, 6 ; Ps. 103, 19).

    Sollte das Thema interessant sein, würde ich mich über Zuspruch oder auch Kritik freuen , danke für die Zeil des Lesens

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