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Zum Nachdenken – Teil 3: Nach der Zukunft Ausschau halten

Große Veränderungen beginnen bei uns selbst. Und damit bei der Einsicht: Wir sind nicht Gefangene „des Systems“. Das System sind wir! Und ich bin ein Teil davon. Ich bin nicht allmächtig. Aber ich bin auch nicht ohnmächtig. In dem Moment, in dem die eigene Rolle im System erfahrbar wird, kommt es zu Reaktionen wie: „Menschenskinder! Guck mal an, was wir uns selber antun.“ In diesem Augenblick verlässt der Mensch die Opferrolle und nimmt sich als (mit-)verantwortlicher Akteur wahr: Ich gestalte das kritisierte System selber mit, indem ich seiner Logik in meinem Handeln folge. Also: wir sind es, die die Kirche von morgen gestalten.

Wenn wir nach einer Zukunft Ausschau halten, müssen wir also zuerst auf uns selbst und unseren Standort schauen – ob als Individuum oder als Organisation. Der Organisationsentwickler Otto Scharmer aus dem Team des MIT, auf dessen „Theorie U“ ich mich hier beziehe, schreibt: „Wir stehen immer öfter vor der leeren Leinwand, die von uns verlangt, dass wir uns selbst anschauen, auf unsere gemeinsamen Verhaltensmuster blicken und neu erfinden, wer wir sind und wohin wir als Institution, als Individuum oder als Gemeinschaft gehen wollen.“ Was meint er damit?

Im Prozess des Entstehens eines Bildes kann man den Blick in dreifacher Weise richten: Man kann auf das Motiv schauen, das „abgemalt“ werden soll. Man kann den Blick auf Pinsel und Farben, auf das Werkzeug richten, um zu schauen, was man damit machen kann. Oder man kann den Blick auf den Künstler, auf sich selbst richten, als die Quelle der Intuition, aus der das Bild entstehen soll. Scharmer meint: Wir stehen immer häufiger vor Fragen, für deren Beantwortung es weder ein Vorbild noch das hinreichende Werkzeug schon gibt. Wir finden uns vor der leeren Leinwand – und haben nichts anderes als unsere innere Intuition als Quelle der Lösung.

Es ist geistlich die Frage nach der essentiellen eigenen Berufung. In der Wahrnehmung der eigenen Berufung liegt die bewegende Kraft, die innerste Motivation aller Veränderungsprozesse. Der Kontakt zur eigenen Berufung verlangt die Verbindung mit der Quelle des eigenen Selbst, die immer wieder neu gesucht werden muss: mit Gott. Aus dieser Begegnung des „gewordenen Ich“ mit Gottes Berufung erwächst der Prozess der Erneuerung. Was ist es, was mich bewegt? Was ist es, was uns bewegt? Als Gruppe, als Gemeinde, als Kirche. Und es dann tun: damit wir nicht von uns sagen – als ich mal anfing, wollte ich eigentlich etwas ganz anderes tun als das, was ich jetzt machen muss.

Weiterlesen: zu Teil 4

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