Blog

Zum Nachdenken – glaubensreich in die Weite wirken

Missionarisch wollen wir sein. Mit viel Kreativität wollen wir Menschen zeitgemäß mit dem ansprechen, was uns begeistert. Aber der Auszug aus dem Schneckenhaus*, der geist- und glaubensreich geübt wird, bleibt doch nicht selten bei Einladungen ins Gemeindezentrum stecken.

Die Ökumenische Visite hat nach der prophetischen Kritik unserer Kirche an den herrschenden Verhältnissen gefragt. Haben wir die Wirklichkeit der Welt in den letzten Jahren zu wenig beachtet?

Wolfgang Schäuble sagte, die Flüchtlinge wären Deutschlands Rendevouz mit der Globalisierung. Sie rufen uns heraus aus unseren Kreisen und Gruppen. Wir werden gebraucht. Geht es missionarisch weniger darum, was wir anderen mitteilen wollen, als darum, zu erkennen, wo in der Welt wir gefragt sind?

Die aktuelle Missionserklärung des Ökumenischen Rats der Kirchen versteht Mission in diesem Sinne. Die Rede ist gar von „Kampf und Widerstand“. Jesus, so heißt es, erfüllte seine Mission, „indem er sich dafür entschied, an der Seite der Ausgegrenzten seiner Zeit zu stehen, und zwar nicht im Geist paternalistischer Fürsorge, sondern in der Überzeugung, dass die Bedingungen, unter denen sie leben müssen, die Sündhaftigkeit der Welt anprangern und ihre Sehnsucht nach Leben ein Zeichen für Gottes Heilsplan darstellt.“

Wer sich in der Mission Jesu für Flüchtlinge engagiert, legt ein Zeugnis ab. Er protestiert gegen Not und Ungerechtigkeit und die Konflikte, in denen Menschen mit Waffen auch aus Deutschland gegeneinander und gegen Gott kämpfen, „der die Fülle des Lebens in Form von Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung für die ganze Erde will.“

Wenn es um die Zukunft der Kirche geht, geht es um unsere Glaubwürdigkeit für die Zukunft Gottes, um – wie es in der Missionskerlärung heißt – eine missionarische Spiritualität, die „in der Lage ist, die Welt durch die Gnade Gottes zu verwandeln“.

_____
* Vgl. Burghard Krause, Auszug aus dem Schneckenhaus. Praxis-Impulse für eine verheißungsorientierte Gemeindeentwicklung , Neukirchen-Vluyn 1998