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Zum Nachdenken – Gast werden als missionarische Grundhaltung

Wenn Jesus seine Jünger zum Evangelisieren ausschickt, wird er ziemlich spezifisch. Kein Geld sollen sie mitnehmen, kein Butterbrot für unterwegs, und erst recht keine Sandalen für die Füße – da kommt man nicht besonders weit! Aber das macht auch nichts. Sie sollen möglichst schnell einen Ort finden, wo man sie aufnimmt. Also Gäste werden. Wirklich Gäste! „Esst und trinkt, was man euch anbietet!“, betont Jesus gleich zweimal.

Kulturanthropologen wissen, dass Gruppen gern über Essensangebote testen, ob ein Fremder oder eine Fremde bereit sind, sich auf sie einzulassen. Chinesen servieren Schlangensuppe, im Kongo gibt es Affenfleisch, und in Deutschland Schwarzbrot zum kalten Abendessen (schrecklich für Asiaten!).

Mission stellt man sich ja meistens so vor, dass da Leute mit Geld losgehen, um ein Projekt zu starten, eine neue Gemeinde zu pflanzen, das Reich Gottes auszubreiten. Und dass man damit Menschen gewinnt für die eigene Gemeinde, Kirche, Konfession.

Aber so losgehen? Ohne Geld, ohne Proviant? Angewiesen auf die, denen wir doch etwas bringen wollen? Verkehrte Welt!

Jesus stellt die Dinge auf den Kopf. Was er sagt, widerspricht allem, was wir normalerweise tun. Es ist so fremd, dass ich mir gar nicht auf Anhieb vorstellen kann, wie das in meiner Kirche konkret aussehen könnte. Wir haben ja von allem so viel: Gebäude. Geld (Ja, doch! Trotz allen Spardrucks!). Menschen, die von der Kirche ein Gehalt bekommen.

Es wäre auch weder planbar noch kontrollierbar, was dann passiert. Denn wir würden uns ja abhängig machen von Menschen, die wir noch gar nicht kennen. Und von Gottes Geist, der uns immer wieder überrascht. Ich würde das gern mal ausprobieren …

1 Kommentare

  1. Gastfreundschaft in beide Richtungen ist vielleicht die wichtigste Art und Weise, die Mission wahrzunehmen. Ladet ein und lasst euch einladen. Nur eins ist mir wichtig: wir machen uns das Leben unnötig schwer, wenn wir jegliche Aktivität auf ihre missionarische Zweckhaftigkeit abklopfen. Missionarisches Zweckdenken ist gesetzlich. Die Jesus nachfolgen und die mit Ernst Christen sein wollen, müssen nicht noch “auch missionarisch“ werden. Das sind sie nämlich schon. Ohne dass sie es merken.

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