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Zu Herausforderung #4: Inspirations-Räume in der Kirche ermöglichen

Eine der neun Herausforderungen, die wir bei glaubensreich formuliert haben, ist: „Wie können wir der Inspiration Räume schaffen?“ Wir haben Holger Pyka, Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Köln-Dellbrück/Holweide, gebeten zu schildern, wie er mit dieser Herausforderung umgeht. Hier seine Gedanken dazu:

Inspiration. Das Wort hat etwas mit Atem zu tun, mit Geist und mit Hauch. Die früheste Begriffsgeschichte führt in die Schreibstuben mittelalterlicher Mönche, wo in kompakter, konzentrierter Stille heilige Texte abgeschrieben und mit aufwändigen Zeichnungen versehen, buchstäblich vervielfältigt wurden. Davon, dass man als Mensch auf andere inspirierend wirken kann, ist übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert die Rede. Vor dem Inspirierendsein kommt die eigene Inspiration. Sprachgeschichtlich, und sonst auch.

Ich hänge noch ein wenig an dem Bild der konzentriert schreibenden Mönche. Das Bild reizt mich, weil es so krass anders ist als mein Bild von Kirche, so anders als mein Alltag als Pfarrer. Natürlich sitze ich auch oft gebeugt am Schreibtisch, allerdings geht es weitaus unruhiger zu als bei den Mönchen in der Schreibstube. Glaube ich zumindest. Ich sitze auch nicht da und kalligrafiere hingebungsvoll Schriftstellen auf edles Pergament, sondern fülle Fragebögen und Formulare aus, schreibe Anträge und Kalkulationen oder hämmere die Sonntagspredigt in die Tastatur. Zwischendurch klingelt das Telefon, breche ich auf zu irgendeiner Sitzung. Und komme abends müde nach Hause und freue mich fast auf die noch auszufüllenden Konfirmationsurkunden: Etwas edleres Papier, der gute Füller, Bibelverse. Näher als so komme ich den mittelalterlichen Mönchen wohl nicht.

Schade eigentlich. Eine Kirche, die inspirierend sein will, muss selbst in-spiriert , vom Hauch des Ewigen berührt sein. Dafür braucht es Atempausen. Zeiten, in denen die hektischen Diskussionen um Prioritäten und Strukturen, das prasselnde Geklapper der Tastatur und das Schrillen des Telefons einfach mal schweigen. Natürlich: Stille muss eingeübt und ausgehalten werden, auch in und von einer Kirche, die sich gern in hektischer Betriebsamkeit ergeht, um sich der Illusion von Relevanz hinzugeben. Ich glaube, dass wir das können. Ich hoffe, dass wir es wagen.

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