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Wie wird die Zukunft sein?

Zwischenruf beim 1. Netzwerktreffen von Frank Vogelsang

Natürlich war »die Frage nach der Zukunft« ein Thema des 1. Netzwerktreffens von glaubensreich. Dr. Frank Vogelsang, Leiter der Evangelische Akademie im Rheinland (Bonn) hat sich damit auseinandergesetzt. Hier sein Zwischenruf in voller Länger:

Was meinen Sie? Wie wird die Zukunft sein? Ja, lassen Sie uns doch einmal über die Zukunft reden. Schließlich sind wir ja zusammen gekommen zu einer Zukunftsinitiative.
Ich vermute, würden wir je einzeln gefragt, würden wir zumeist skeptisch auf die Frage nach der Zukunft antworten. Die Zukunft wird eher nicht besser. Es gibt so manche Gefahren und Risiken.

Aussagen über die Zukunft sind in unserer Zeit skeptische Antworten. Dies ist schon seit vielen Jahren der Trend der gesellschaftlichen Entwicklung. So gibt es heutzutage viele Prognosen, zur Klimaentwicklung, zur Bevölkerungswachstum, zur Wohlstandsentwicklung, zum Rentenniveau, zur Entwicklung der Pflege. Kennen Sie eine Prognose, die Positives verheißt? Folgt man den Prognosen, dann gilt: Die Zukunft hat eigentlich keine Zukunft. Die Zukunft der Prognosen sieht düster aus.

Das gilt auch für die Kirche. Die Kirche wird weniger Mitglieder haben, sie wird weniger Geld haben. Sie wird an der demographischen Entwicklung und weiteren Austritten leiden, sie wird einen schwindenden Einfluss auf die Gesellschaft haben.

Wir deshalb reden auch in der Kirche eher skeptisch bis negativ von der Zukunft. Damit ist die Kirche in guter Gesellschaft in scheinbar guter Gesellschaft.

Doch halt – Jetzt folgt der Zwischenruf. Was genau lässt uns so viel Trübsal blasen? Was genau ist es, was wir von der Zukunft wissen? Es geht nicht darum, zukünftige Gefahren und Risiken klein reden zu wollen – wenn man sich auf die Zukunft vorbereitet, muss man klug sein, wie die klugen Jungfrauen in dem bekannten Gleichnis von Jesus. Wir sollten uns vorausschauend Öl für die Lampen besorgen.

Dennoch muss man fragen, welcher Geist uns bewegt, wenn wir in allen Berechnungen fast immer zu dem gleichen Ergebnis kommen: Die Zukunft wird nicht gut!

Ist das denn wahrscheinlich: Nach dem zweiten Weltkrieg ging es erst jahrzehntelang bergauf und jetzt geht es nur noch bergab?

Mag uns da nicht ein kleiner Dämon des Zeitgeistes reiten, der uns einflüstert: Im Zweifelsfall gilt die schlechtere Prognose! Dann starren wir auf Zahlen und verlieren den Mut. Kann es nicht sein, dass sich in den scheinbar objektiven Prognosen auch unsere Angst vor der unbekannten Zukunft einschleicht, davor, dass wir etwas verlieren werden? Wir haben doch so viel zu verlieren! Dieser Geist ist ein Geist der Verzagtheit, der wenig gestalterische Energie hat. Könnte es nicht sein, dass die Zukunft auch dann gut wird, wenn wir weniger Mittel zu Verfügung haben?

Haben wir als Kirche diesem Zeitgeist etwas entgegenzusetzen? Nun, auch Jesus sprach viel von der Zukunft, aber er kündete von einer positiven Zukunft. Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen! Das war seine Botschaft im Kern. Die christliche Botschaft ist tatsächlich eine durch und durch zukunftsoffene und positiv auf Zukunft ausgerichtete Botschaft. Sie ist eine Botschaft der Verheißung.

Die christliche Existenz ist geprägt von Glaube, Liebe und Hoffnung. Was aber ist die Hoffnung? Handelt die Hoffnung von der Zukunft. Ja, das tut sie auch. Vor allem aber ist sie erst einmal eine Kraft der Gegenwart. Sie setzt in Bewegung. Wer hofft, packt mit an, will erreichen, worauf sie oder er hofft. Diese Kraft der Hoffnung ist unersetzlich und viel kräftiger als 1000 negative Prognosen.

Hoffnung ist eine tätige Hoffnung. So sagt auch Ernst Bloch in seinem Prinzip Hoffnung: „Doch ohne eine Kraft eines Ich oder eines Wir dahinter wird selbst das Hoffen fade.“ Und Jürgen Moltmann ergänzt aus christlicher Sicht: „Die Hoffnung wird zur Leidenschaft für das Mögliche.“ „Sie ist nichts anderes als die Erwartung der Dinge, die nach der Überzeugung des Glaubens von Gott wahrhaftig verheißen ist.“ Wer hofft, setzt sich in Bewegung und zwar heute. Wer hofft, sagt: eine bessere Zukunft ist möglich, weil sie verheißen ist. Wer hofft, weiß, dass die Welt nicht einfach schon fertig ist, sondern in einer offenen Bewegung. Ja, wir können Prognosen machen und Ja: Auf Prognosen allein sollten wir uns nicht verlassen, die Zukunft wurde immer noch anders!

Wir haben als Kirche dem gesellschaftlichen Trend die christliche Hoffnung entgegen zu setzen. Dies ist keine Wünsch-Dir-Was Hoffnung, sondern die Fähigkeit, die Kräfte der Gegenwart zu entdecken, die unter der Verheißung Gottes in eine andere Zukunft weisen. Deshalb sind wir heute auch zusammen gekommen. Natürlich haben wir Hoffnung! Hoffnung kann, wenn man sie zu mehreren erlebt, ansteckend sein.

Die Hoffnung ist keine Haltung von Vereinzelten, sondern sie ist eine Kraft, die zusammen führt, die Neues beginnen lässt. Schnell haben sich dann mehrere gefunden, die sich zusammen tun und etwas Neues beginnen. Kaum etwas verbindet Menschen mehr, als eine gemeinsame Hoffnung.

Unsere Hoffnung kann nur dann ansteckend wirken, wenn wir sie selbst leben, wenn wir sie erleben. Das muss keine euphorische Hoffnung sein, die christliche Hoffnung kann sich auch sehr nüchtern artikulieren wie etwa im 1. Petrusbrief: Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist. Das klingt nicht nach einer Rosa-Wolken-Hoffnung, sondern nach einem präzisen Wissen um die Widerstände in der Welt.

Es gilt auch für uns: Hoffnung kann man nicht machen. Sie lässt sich in keinen Entwicklungsplan einbauen, auch nicht in den einer Kirche. Hier müssen wir auch die Prognosen nutzen, wenn wir klug sind und Vorsorge treiben. Aber es gilt auch: Immer wieder kann es gelingen, dass man der Hoffnung auf überraschende Weise begegnet, ihre Zeichen sieht und ihre Kräfte spürt. Dann gilt es, anderen davon mitzuteilen. Das zu tun, ist die Stärke von Kirche, gerade auch in unserer Gesellschaft und in unserer Zeit!

2 Kommentare

  1. segensreich sagt

    „überraschender Weise“ – das klingt aber sehr nach Zufall, nach tychischem Glück… Und was ist mit den Beladenen? denen, die ihren Job verlieren, Kinder zu versorgen haben, nicht wissen, wie es morgen weitergehen soll? Wo finden sie den Ort, an dem sie sich von der Hoffnung anstecken lassen sollen, wo die Menschen, die sich ihnen mitteilen – angesichts schließender Kirchen und Begegnungsstätten?

    • Dorle Schmidt sagt

      Gute Frage – da wollen wir weiter drüber nachdenken. Denken Sie mit beim nächsten Netzwerk-Treffen am 6.2.2015?

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