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Wer braucht denn Netzwerke?

Heute habe ich die Mitschriften der Teilnehmenden aus dem letzten glaubensreich-Netzwerktreffen gesichtet. „Netzwerken“ selber war das Thema. Martin Herrndorf, Mitbegründer des COLABOR, hat dazu einen anregenden Impuls geliefert. Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden in Kleingruppen: An welchen Stellen ist Netzwerken für uns hilfreich? Wie kann Netzwerken bei uns praktisch funktionieren?

Die Notizen stimmen mich doch nachdenklich. Sind das wirklich die wichtigsten Erkenntnisse, die die Gruppe mitgenommen hat? Vielleicht hatten manche auch einfach nur keine Lust etwas aufzuschreiben. Oder es wurde eher die Frage bearbeitet „Was ist Netzwerken?“. Das hoffe ich zumindest. Ich vermisse nämlich einen wichtigen Punkt bei dem Ganzen:

Die Notizen klingen nach einem recht überschaubaren Blickfeld. Als hätte man sich gefragt, wie könnte meine persönliche Arbeitslast durch Netzwerken verringert werden? Oder als läge der Sinn von Netzwerken in einer Art Feedback-Kultur. Oder als wäre Netzwerken einfach eine offene, zugewandte Haltung, mit der man Menschen begegnet. Liegt hier vielleicht ein Missverständnis vor?

Aus meiner Perspektive ist Netzwerken nur interessant, wenn ich etwas bewegen möchte. Wenn ich etwas vorhabe, was ich alleine nicht schaffe. Etwas, das größer ist als meine eigene Kraft oder meine Ressourcen. Wenn ich mir bewusst bin, dass ich alleine gar nicht das Momentum erreichen kann, das ich anstrebe. Dann erst fange ich an, mich nach Verbündeten umzuschauen.

Dazu gehört dann eine bestimmte Weltanschauung. Zum Beispiel die innere Überzeugung, dass man gemeinsam mehr bewegen kann als alleine. Dass man lieber Bündnisse mit Personen oder Organisationen eingeht, mit denen man vielleicht nicht allumfassend auf einer Linie liegt, als dass man sich auf die kleine Kraft beschränkt, die man alleine darstellt. Man muss anderen Akteurinnen und Akteuren zugestehen, dass sie auch Gutes im Sinn haben – vergleichbar „Gutes“, wie man selber.

Wer schon zufrieden ist mit dem, was gerade läuft, wer einfach bei dem bleiben will, was gerade ist – der braucht wirklich kein Netzwerken. Aber wir haben doch Großes im Sinn, oder?

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