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Sich weniger ernst nehmen?

Motiv von Kirche-aufmachen.de

Was inspiriert und motiviert eigentlich engagierte Personen? Diese Frage haben wir Claudia Waehrisch-Oblau gestellt. Sie ist Theologin und leitet die Abteilung Evangelisation der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). Hier ihre aktuelle Antwort:

Manchmal bin ich ziemlich müde. Der ganz normale Alltag mit seinen Terminen, Sitzungen, Dingen, die erledigt werden müssen. Und dann immer noch der zusätzliche Druck, neue, kreative Projekte und Programme zu entwickeln. Und dann hier und da noch einen Artikel oder Blogbeitrag schreiben… Manchmal merke ich ziemlich deutlich, dass ich nicht mehr 35 bin!

Und wenn ich mich so umschaue, unter den Pfarrkolleginnen und –kollegen, oder unter denen, die in der Kirche aktiv sind – dann sehe ich ziemlich viele, die auch müde sind. Ein bisschen grau im Gesicht, Ringe unter den Augen, und ein tiefer Seufzer oder gar aggressive Abwehr, wenn doch noch wieder neue Aufgaben zu verteilen sind.

Ich habe den Eindruck, dass gerade die Aktiven in meiner Kirche unter der Prämisse arbeiten, dass wir es nur richtig und gut machen müssen, damit der Laden läuft. Schmissige, aktuelle, und geistlich tiefe Predigten, und schon füllen sich die Kirchen. Gute Musik – bloß keine Orgel! – und die Leute strömen zu uns. Schön gestaltete Räume, ein ansprechender Gemeindebrief, interessante Veranstaltungen… wir rackern und rackern, weil wir uns wünschen, dass Menschen etwas mitbekommen von Gottes Liebe. Aber es ist vor allem anstrengend, und wirkliche Erfolge sehen wir selten.

Ich habe zwölf Jahre meines Lebens in China verbracht. Dort wachsen die Kirchen wie verrückt. Meine Gemeinde in Nanjing hat jedes Jahr mindestens 200 Erwachsene getauft. Und ich habe mich dort immer gefragt: Wie machen die das? Was kann ich davon lernen?

Das Ergebnis: Die machen das nicht! Die Predigten in den chinesischen Kirchen sind oft gesetzlich, moralistisch, und werden total langweilig vorgetragen. Trotzdem sind die Kirchen zum Platzen voll. Die Musik ist auch nicht besonders. Und in den Gemeinden gibt es unglaublich viel Krach und Konflikte, Tratsch und böse Nachrede.

In China habe ich gelernt: Der Geist weht, wo er will. Und Gott kann offensichtlich auch mit ziemlich miesen Predigerinnen und schlechten Musikern seine Kirche bauen.

Das heißt: Ich muss mich nicht so ernst nehmen. Die Erschöpfung ist ja nur die Unterseite der Vorstellung von der eigenen Grandiosität. Wenn ich denke, dass alles von mir und meiner Leistung abhängt, ist es kein Wunder, wenn ich müde werde. Nur Gott ist alles, nicht wir und unsere Kirchen.

Und ich muss Gott ja gar nicht zu den Menschen bringen. Er ist längst da. Oft verborgen. Aber manchmal auch ganz offensichtlich. Wenn ich genauer hinsehe, hinhöre, kann ich ihn entdecken.

Das oben gezeigte Bild gehört übrigens zu  www.kirche-aufmachen.de. Hier gibt es mehr davon: Stolpersatz. Diskussionauslöser. Denkanstoß. Widerspruch-Provozierer. Wort der Woche. Sprüche und Grafiken für viele Gelegenheiten, zum freien Download.

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