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Neujahrsgrüße

Sylvester. Neujahr. So zukunftsfühlig wie an diesen Tagen gehts nur selten zu im Jahr. Wie kommt die Zukunft in die Welt?

Gottes Zukunft geht nicht auf in Traditionen, in Statistiken und Prognosen, die das, was gestern war, ins Morgen verlängern. Die menschheitliche Geschichte begann mit dem Satz: „Mache dich auf und geh! Geh fort aus deinem Vaterland.“ Es ist Gottes Ruf an Abraham.

Indem Abraham den Aufbruch ins Unbekannte wagte, vieles zurückließ und neugierig Neues entdeckte, begann die Geschichte des Volkes Gottes. Das Volk Gottes ist seither ein wanderndes Volk. Gottes Zukunft setzt nicht einfach fort, was war. Gott geht sie an mit Menschen, die sich seinem Wort innerlich öffnen und sich aufmachen. Die sein Wort als ihre Berufung hören.

„Wir haben keine Zukunft?“ Richtig! Wir haben unsere Zukunft nicht. Wir verfügen nicht über unsere Zukunft. Die Zukunft ist Gottes Land. Aber wir gestalten sie mit. Wir folgen Gottes Ruf und lassen uns auf die Zukunft ein. Wir wissen nicht, was da kommt. Aber wir wissen, wer da kommt. Ich finde, dass der Satz: „Wir haben keine Zukunft,“ zutiefst gottlos ist. Er hat unter uns nichts zu suchen. Er gründet in der Hybris, wir könnten die Zukunft besitzen. Das aber ist eine leblose Zukunft. Eine Zukunft ohne Gott.

Wie ich die Zukunft wahrnehme, ist eine Frage des persönlichen Standpunktes. Es ist eine Frage des Glaubens. Sich aufmachen ins Unbekannte und Fremde ist nicht einfach. Angst oder Mut, Zurückhaltung oder Aufbruch sind zuerst eine Frage des eigenen Selbstbewusstseins und der persönlichen Haltung. Nicht der äußeren Umstände und planvoller Programmatik. Ändern können wir zunächst nur uns selbst. Genauer: den Ort, die Perspektive, den Blick, mit dem wir auf die Wirklichkeit schauen. Ändern können wir den Blickwinkel, von dem her wir auf die Wirklichkeit schauen. Wir können unsere übliche Brille abnehmen und mit anderen Augen auf die Wirklichkeit schauen, mit anderen Bildern und Vorstellungen.

Mir fällt dazu eine merkwürdige Begebenheit ein, die Artur Schopenhauer erzählt. Bei einer Wanderung hörte er ein ängstlich wiependes Eichhörnchen. Es saß oben im Geäst eines Baumes und starrte auf eine Schlange, die das Eichhörnchen vom Fuße des Baumes aus fixierte. Seine Schreie strahlten Todesangst aus. Warum springst Du nicht davon, dachte der Wanderer? Denn statt das Naheliegende zu tun und zu fliehen, schlich sich das Hörnchen, widerstrebend und angstvoll, starrend in die Augen der Schlange, langsam den Baum hinunter … in den Schlund der Schlange hinein. So widerfuhr ihm in seiner Angst genau das, wovor es Angst hatte. Es sah für sich keine andere Möglichkeit. Hätte es doch die Perspektive des Wanderers einnehmen können. Es hätte überlebt.

Cognosce seipse. Erkenne dich selbst – und erkenne Gott. Dann erschließt sich für dich Zukunft neu – aus der Freiheit des Evangeliums.

Wir wünschen euch ein gesegnetes Neues Jahr – zukunftsfroh und glaubensreich.