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Kein Lichtlein brennt?

Beinhalten die christlichen Feiertage wirklich gute Gelegenheiten, um über den Glauben zu sprechen? Assoziiert man mit Weihnachten nicht inzwischen vor allem Konsum? Und ist die entsprechende Dekoration dann eher nicht zu empfehlen? Martin Kaminski, Diakon beim gmd und Liedermacher, hat eine andere Perspektive. Hier sein Blick auf die brennenden Lichtlein:

Auf der Bundesautobahn 3, Fahrtrichtung Düsseldorf, lagen neulich in den Abendstunden 25 Tonnen Kerzen und blockierten die Weiterfahrt … Dieses ungewollte Innehalten veranlasste mich zum spontanen Ausruf: „Und kein Lichtlein brennt?“ Anschließend meditierte ich die Frage des Überflusses an Adventsartikeln – insbesondere auf Bundesautobahnen.

Bei mir zuhause sieht es anders aus. In der Woche vor dem ersten Advent errichte ich Jahr für Jahr eine kleine Winterlandschaft mit beleuchteten Häuschen, einer Skipiste und allerlei Figuren im künstlichen Schnee. Wie albern, nicht wahr? Genauso dämlich wie die Minderbemittelten, die schon Ende Oktober in den Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf ihre kleinen Balkone unter blinkenden Strom setzen. Die Leuchtsterne zucken durch die Nacht. Sozialpädagogen auf Fahrrädern schütteln die mit selbstgehäkelten Mützen bedeckten fresh-expression-Köpfe und lesen zuhause lieber andächtig „den anderen Advent“. Sollen sie ruhig.

Ich programmiere derweilen meine Zeitschaltuhr, damit die Winterlandschaft bereits leuchtet, wenn ich um kurz nach sechs aufstehe, um meine Nachkommen dem pädagogischen Alltag auszusetzen. Träumend stehe ich dann einen Moment vor der Illumination und fühle mich solidarisch mit all jenen, die es in ihrer manchmal finsteren Welt gerne hell hätten, notfalls mit LED-Gewalt.

Jesus wird sich durch angebliche Geschmacklosigkeit nicht davon abhalten lassen, bei den Minderbemittelten einzukehren. Vielleicht versteht er gar die Sehnsucht nach Licht besser, wenn sie geradeheraus daher kommt und nicht milieuspezifisch verklausuliert und damit eben nur noch sehr eingeschränkt verständlich formuliert wird. Das ist natürlich nun auch wieder Unsinn, denn Jesus macht sich bekanntlich zu allen auf. Einfach zu allen, dies sollte ich endlich kapieren.

Wenn es dunkel wird in meinem Leben zünde ich besonders viele Lichter an. Traditionell befeuert, voltangetrieben, als App – ist mir egal. Zu Weihnachten durchbricht realer Glanz meine ganz persönliche Dunkelheit, zündet Hoffnungslichter an und erinnert mich, dass Gott mitten unter uns Wohnung nehmen will. Das ist die beste Botschaft aller Zeiten – jede Lichterkette erzählt davon. Jede Kerze will entzündet werden!

WDR-lichtlein

http://www1.wdr.de/studio/wuppertal/nrwinfos/nachrichten/studios84696.html

 

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