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Ist die Landeskirche zu deutsch? Interkulturelle Herausforderungen angesichts der Flüchtlingswelle

Rekord: 800.000 Menschen werden 2015 in Deutschland Zuflucht und Zukunft suchen. Auch wenn manche von ihnen zurückkehren, beginnen wir erst, die nachhaltigen Veränderungen unserer Gesellschaft durch diese Flüchtlingswelle zu erahnen.

Nur „… unserer Gesellschaft“? Auch die Kirche wird sich verändern! Vielerorts werden Gemeinden durch die Herausforderungen der Flüchtlingswelle regelrecht wachgeküsst, erleben auch einen geistlichen Aufbruch. Laut Statistik sind 57 % der Immigranten Christen. Und selbst, wenn es keiner von ihnen mit evangelischen Christen/innen zu tun bekäme: Durch den Zuzug von Menschen anderer Herkunft und Kultur wird die Kultur- und Milieuverengung unserer Gemeinden verschärft. Es besteht die Gefahr, dass evangelische Kirche zu einem bio-deutschen Kulturverein wird.

Glaube und Kultur lassen sich nicht trennen. Das Evangelium verbindet sich immer mit Gesten, Traditionen, Liedern, Texten und Haltungen einer Kultur. Problematisch wird es aber, wo das Evangelium damit gleichgesetzt wird, und man meint, evangelischer Glaube könne in Deutschland nur auf Deutsch, nach hergebrachter Liturgie und hiesiger Mentalität, kurz: in klassischen deutschen Glaubensformen gelebt und gefeiert werden.

Das Evangelium Jesu Christi ist auf Vielfalt angelegt. Dadurch, dass der Heilige Geist sich von Beginn an in verschiedenen Sprachen äußerte (Apg 2), das Evangelium rasch in verschiedenen Kulturen heimisch wurde, und Nationalität, Stand und Geschlecht der Christinnen und Christen kein Hindernis für eine Einheit in Verschiedenheit war (Gal 3,28), wurde das Christentum eine weltumspannende, ökumenische Religion.

Das Reformationsdekade-Jahr 2016 „Weite wirkt. Reformation und die Eine Welt“ ist Anlass, die kulturelle Vielfalt auch des evangelischen Glaubens wiederzuentdecken. Denn sie ist längst da: Allein im Rheinland und in Westfalen wird in etwa 500 Gemeinden anderer Sprache und Herkunft reformatorischer Tradition in 42 Sprachen, in großer kultureller und liturgischer Vielfalt Gottesdienst gefeiert (vgl. http://www.ekir.de/www/ueber-uns/gemeinden-anderer-sprache-und-herkunft-16423.php).

Ihr Glauben und ihre Spiritualität sind ein Geschenk für die Kirche in Deutschland! Gelingt es uns, mit ihnen gemeinsam Kirche zu sein? (Auch) deshalb startet die Evangelische Kirche im Rheinland am 16.09. den Diskussionsprozess „Interkulturelle Öffnung“, vgl. http://interkulturell.ekir.de/.

Wie sieht unsere Kirche im Jahr 2050 aus? Vielleicht so: „Heute gibt es in der Evangelischen Kirche im Rheinland fünf internationale Gemeinden: ein Drittel der Pfarrerinnen und Pfarrer haben Eltern, die im Ausland geboren wurden, zu mancher Ortsgemeinde gehören drei muttersprachliche Gruppen. Wir feiern gemeinsam, aber auch getrennt nach verschiedenen evangelischen Traditionen Gottesdienst. Alle Gruppen sind im Presbyterium vertreten …“ (aus dem Werkbuch „Interkulturelle Öffnung“, S. 96).

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