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Projekt: Das GlaubMalBuch – ein Glaubenskurs für Kinder und Eltern

Wie findet das Gespräch über den Glauben in die Familie?

Seit einigen Jahren lädt die Andreaskirche in Bergisch Gladbach zu einem Glaubenskurs für Kinder. In kleinen Gruppen werden die Kinder auf das Abendmahl vorbereitet. Nicht wenige auch auf ihre Taufe. Die Gruppen werden von Eltern geleitet. Für viele Mütter und manche Väter bedeutet das eine neue Herausforderung. Und zwar zur Beschäftigung mit dem eigenen Glauben.

Den Ansatz zu diesem Modell haben wir aus der Kommunionsvorbereitung der Katholischen Kirche übernommen. Leider gab es dazu bisher kein evangelisches Material. Nun arbeiten wir an einem GlaubMalBuch, das entlang von 12 großen Fragen Kinder in die Lebenswelt des Glaubens begleiten will: Wo bin ich zu Hause? Wem kann ich vertrauen? Was ist Glück? Was macht mich böse? Was tröstet mich? Ein Buch, das den Kindern viel Raum zum Malen und Kritzeln, zum Schnipseln und Kleben geben soll. Den Erwachsenen, die die Kinder begleiten, wird ein GlaubensKursBuch zur Hand gegeben, das in die Themen einführt . Es gibt didaktische und methodische Vorschläge für 12 Einheiten enthält.

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Das wichtigste aber ist die Idee, die hinter dem GlaubMalBuch steht. Eine Idee, von der ich Ihnen sowohl aus der Perspektive eines Kindes als auch einer Mutter erzählen möchte. So lässt sich ganz gut erschließt, worin die besonderen Möglichkeiten dieses Modells liegen.

Lisa freut sich

Lisa freut sich. Sie hat eine Einladung bekommen. Eine Einladung von dem Mann aus der Kirche. Zum Abendmahl. „Was das ist“, hat sie ihre Mama gefragt. „Da kriegst du in der Kirche ein kleines Stück Brot und etwas zu trinken – und wir essen alle zusammen mit Gott. So genau kann ich es dir auch nicht erklären. Aber es gibt ja einen Kurs zur Vorbereitung.“ – „Hmm, einen Kurs zur Vorbereitung? Ist das wie Schule? Wo muss ich denn da hin? Und wer kommt denn da noch?“ Lisas Freude sinkt. Teresa und Saskia, mit denen Lisa sonst alles zusammen macht, haben nämlich keine Einladung bekommen. „Die sind vielleicht nicht evangelisch,“ sagt Mutter. „Muss ich dahin?“ fragt Lisa jetzt. „Warte mal ab. Morgen Nachmittag lädt der Pfarrer alle Kinder und ihre Eltern ein. Da siehst du, wer noch so kommt. Dann werden wir mehr wissen und du kannst dich entscheiden.“

Am nächsten Nachmittag tummeln sich über 30 Kinder, viele Mütter und einige wenige Väter im Gemeindehaus. Lisa kennt nicht alle. Aber viele. In der Schule hat sie sich schon mit Anna, Valentina und Julia verabredet. Julia erzählt, dass der Pfarrer ihre Mutter gefragt hat, ob sie wohl eine Gruppe leiten könnte. „Und,“ fragt Lisa, „was hat sie gesagt?“ – „Sie hat ja gesagt,“ sagt Julia, „sie wills machen. Aber nicht alleine. Sie hat noch Patricks Mutter gefragt.“ – „Treffen wir uns dann bei duch zu Hause?“ – „Mama sagt, wenn es nicht zu viele Kinder sind, dann ginge auch das.“

Der größte Teil des Nachmittags vergeht, indem sich die Kinder in Gruppen aufteilen. In jeder Gruppe sind sechs bis acht Kinder – und jeweils zwei Mütter, die sie leiten. Am darauffolgenden Dienstag treffen sich Anna, Valentina, Lisa, Julia, Patrick, Tim und Mike bei Julia im Wohnzimmer. Lisa hat sich auf den Nachmittag gefreut. Bis auf Mike kennt sie alle Kinder. Auch Sabine und Claudia, Patricks und Julias Mama – das sind nämlich Freundinnen ihrer Mutter. Sabine und Claudia erzählen ihnen von Jesus. Sie singen, spielen und basteln. Zum Schluss wird gebetet.

„Wie wars denn?“ fragt Mama als Lisa nach Hause kommt. „Es war toll,“ sagt Lisa. „Ich dachte immer,“ sagt Julia, „singen und beten, das macht man nur in der Kirche oder abends in Bett. Aber wir haben auch gemalt und gespielt. Sabine hat erzählt, dass Gott immer bei ihr ist und dass sie das beim Abendmahl besonders spürt. Sonst sagt das immer nur der Pfarrer oder Frau Meyer in der Schule. Aber die müssen das ja auch.

Sabine wagt es

Als damals Herr Trosser, der Pfarrer, Sabine fragte, ob sie sich vorstellen könnte, einen Abendmahlskurs für Kinder zu leiten, hatte sie nach einigem Überlegen „Ja“ gesagt. Auch wenn sie bisher eher selten Kontakt zur Gemeinde gehabt hatte, zusammen mit Claudia konnte sie sich das gut vorstellen. „Ich fände es schön, Sie würden da mit machen. Was unsere Kinder glauben, was ihnen wert und wichtig im Leben ist, das ist uns doch gerade als Eltern ein besonderes Anliegen. Oft finden wir zum Gespräch darüber im Alltag aber gar keine Zeit.“ – „Aber ich weiß doch gar nicht so genau, was ich da sagen soll … und auch nicht, ob ich das alles so richtig glaube.“ – „Ich traue Ihnen das zu,“ sagte der Pfarrer. „Ich erwarte auch gar nicht von Ihnen, dass Sie wie aus einem kirchlichen Lehrbuch reden. Ich wünsche mir, dass Sie mit den Kindern zusammen im Glauben lernen. Und Sie glauben gar nicht, was Sie selbst dabei alles neu entdecken und lernen werden: von ihren Kindern, von sich selbst und von Gott. Sie müssen das auch nicht alleine vorbereiten“, sagte Pfarrer Trosser. „Alle zwei Wochen treffen wir uns, um über die zurückliegende Stunde zu sprechen, und um uns Tips zu geben und das nächste Gruppentreffen vorzubereiten. Da bekommen Sie alle Entwürfe und Materialien, die Sie brauchen. Und es ist doch eine schöne – und zeitlich auch recht überschaubare Gelegenheit – diese 12 Gruppentreffen bis zur gemeinsamen Abendmahlsfeier nach Ostern.“

Seit einigen Jahren schon findet die Abendmahlsvorbereitung für Kinder in dieser Gemeinde in Kleingruppen statt, die von Eltern, meist Müttern, geleitet werden. Die überschaubare kleine Gruppe ermöglicht vertraute und persönliche Begegnungen und Gespräche. Die Kinder fühlen sich schnell zu Hause. Oft zum ersten Mal erleben sie, dass außerhalb von Schule und Gemeindehaus über Gott und den Glauben gesprochen wird.

Ein besonderes Erlebnis

Für die beteiligten Eltern ist die Leitung eines solchen Kurses auch ein besonderes Erlebnis. Grundsätzlich werden alle Eltern des laufenden Jahrgangs etwa ein halbes Jahr zuvor angefragt, ob sie bereit wären, eine Gruppe zu leiten. Nach einiger persönlicher Nachfrage und Gesprächen finden sich zumeist 6–8 Mütter, die sich dieser Aufgabe neu stellen. Die vorbereitenden und begleitenden Teamabende stellen für sie selbst eine Wiederannäherung an Glaube und Gemeinde dar: Was glaube ich? Wie kann ich die christliche Botschaft verstehen? Und vor allem: Wie kann und will ich das meinen und den anderen Kindern vermitteln? Gerade diese besondere Verantwortung fordert heraus. Nach ersten Unsicherheiten wächst die Freude und das Zutrauen an der Aufgabe. Das Lernen mit Kindern macht einfach Spaß. Die Kinder begeistern. Die Mütter staunen, was sie in diesem anderen Setting an bisher unbekannten Seiten von ihren Kindern und über ihre Kinder erfahren. Und sie wagen es, über ihren Glauben zu sprechen, ja in der „kleinen Öffentlichkeit“ der Lerngruppe zu beten.

Anders als viele andere Aufgaben in der Gemeinde ist dieses Projekt begrenzt. Nach drei bis vier Monaten haben die beteiligten Eltern ihre Zusage erfüllt. Sie haben eine besondere Verantwortung in der Gemeinde wahrgenommen. Was sie sich vorgenommen haben, ist ihnen gelungen. Sie sind zufrieden mit sich selbst und es hat ihnen Spaß gemacht. In ihrem eigenen Glaubensverständnis konnten sie manches klären. Manche sagen: „Wir sind mit unseren Kindern im Glauben gewachsen.“ Für alle gilt, dass die Vertrautheit zur eigenen Gemeinde gewonnen hat, ohne dass man sich zu Weiterem verpflichtet hat. Manche machen später mit Kinderkirchenteam, in der Familienkirche oder helfen bei einem Jugendprojekt. Andere interessieren sich für weitere Glaubensgesprächsgruppen.

Ob Kinder, Eltern oder Gemeinde, die Abendmahlsvorbereitung in Kleingruppen und durch Eltern hat bei allen Beteiligten etwas positiv in Bewegung gebracht.

Mit dem GlaubMalBuch hoffen wir, andere Gemeinden zur Nachahmung zu motivieren. Es lohnt sich! Das Buch soll übrigens im Juli 2016 erscheinen.

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