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Digitalisierung – ein Weckruf?

Detlef König beim 1. Netzwerk-Treffen in Köln

Zur Zukunftsinitiative gehört auch, sich mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu beschäftigen. Zum Beispiel mit der Kommunikation im digitalen Raum. Dieses Thema hat Detlef König beim 1. Netzwerktreffens von glaubensreich aufgegriffen. Hier sein Zwischenruf in voller Länger:

Das Thema Digitalisierung ist bei der Evangelischen Kirche angekommen. Prima! Oder doch nicht? Unter dem Titel „Kommunikation des Evangeliums in der digitale Gesellschaft – Wahrnehmungen und Folgerungen“ hat die Synode der EKD vor kurzem eine sogenannte Kundgebung veröffentlich. Und diese Kundgebung ist eine einzige Enttäuschung. Warum ?

Weil dieser Beschluss nur sehr oberflächlich auf einen der großen gesellschaftlichen Megatrends (neben der Demografischen Entwicklung und der Globalisierung) der Digitalisierung beschäftigt.

Die Digitalisierung hat schon seit Jahren viele Bereiche unseres Lebens durchdrungen. In der Medizin, in den Medien oder bei der Musik. Und wir stehen stehen noch vor der Digitalisierung vieler weiterer Bereiche. In einem Umfang, wie sich Viele sich dies nicht vorstellen können.

Und wie geht unsere Kirche mit dem Mega-Thema Digitalisierung um? Fast gar nicht. Ja, es gibt Internetseiten, ja, Twitter, Facebook, Youtube werden teilweise genutzt. Doch dies alles in einer Form, wie früher und ja auch noch heute Schaukästen vor den Kirchentüren. Kommunikation als Einbahnstraße. Der eine sendet und der andere hat zum empfangen. Keine Interaktivität.

Die Chancen der Digitalisierung werden nicht gesehen. Und woran liegt das? Die Verantwortungsträger sind zu alt, verstehen und nutzen die neuen Möglichkeiten nicht. Und die Kirche beschäftigt sich mit Haushaltssicherung (sprich Sicherung der Pfarrerversorgung), einem neuen Finanzsystem, neuen Verwaltungsstrukten. Dass sie sich damit beschäftigen muss, ist nicht das Problem. Die Art und Weise – jahrelange Diskussionen, Menschen überfordern und damit viel Kraft kosten – das ist das eigentliche Problem.

Evangelische Kirche ist in der digitalen Welt nicht relevant: Es gibt keinen Shitstorm, es gibt keinen Whistleblower im Landeskirchenamt, im KSV, in Presbyterien … Die Digitalisierung bietet sehr große Chancen für die Kirche, zum Beispiel bei der Mission, zum Beispiel für ein glaubensreiches Leben außerhalb des Gottesdienstes. Sie sollten JETZT genutzt werden.

Das Reformationsjubiläum 2017 ist in vieler Munde. Ohne die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther (neue Kommunikation der Guten Botschaft) und die Erfindung der Buchdruckkunst durch Johannes Gutenberg (neue Technik) hätte die Reformation vor 500 Jahren vermutlich so nicht stattgefunden. Auf neuen Wegen wurden die guten Botschaften verbreitet.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung eröffnen der Kirche ungeahnte Möglichkeiten für die Verkündigung, für die Mission, für den kontinuierlichen Kontakt zu seinen Gemeindegliedern (auch wenn heute von Mitgliedern gesprochen wird, so als sei die Zugehörigkeit zu unserer Kirche wie eine Mitgliedschaft im ADAC zu sehen …). Doch die Amtskirche, denn so definiert sie sich ja faktisch selber, ist mit anderen Dingen beschäftigt.

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Lasst uns über das reden, was geht und nicht mehr über das was nicht geht … Durch die Digitalisierung werden nicht nur neue Kanäle für Kommunikation geschaffen – nein, es verändert die Kommunikation an sich in einer vielleicht noch mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichbaren Weise. Diesen Veränderungen muss unsere Arbeit in und für die Kirche gerecht werden.

Wir sind die Kirche! Nutzen wir die Möglichkeiten – wir können nicht darauf warten, bis die Kirche die für sie aktuellen Themen endlich abgearbeitet hat und sich dann vielleicht mit der Digitalisierung beschäftigt.

Und was kann gemacht werden:

  • Junge Menschen gewinnen (Konfirmanden): Per Video den Gottesdienst ins Netz stellen lassen:
    Heute eine Video-Kamera und ein Stativ kaufen oder ein vorhandenes iPhone nutzen, morgen von 10 bis 11 den Sonntagsgottesdienst aufnehmen und um 11.15 Uhr diesen dann ins Netz stellen …
  • Über die Predigt über Twitter oder Facebook diskutieren
  • Die nächste Presbyteriumssitzung live im Internet verfolgen (per Live-Stream …)
  • Einladungen und Glaubensanstöße über Whatsapp-Gruppen oder bei Facebook (für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die noch nicht im Arbeitsleben stehen, nutzen keine E-Mails …, und E-Mails sind in einer von Papier getragenen Kirche, die mal Volkskirche sein wollte, viellfach noch die größte Innovation)
  • WLAN – kostenlos rund um die Kirche
  • iPhones kostenlos für alle Pfarrer und Präsenter (wer könnte über ein Buch sprechen, der nie ein Buch gelesen hat …) – vielleicht würde das auch noch das Amt einer Presbyterin, eines Presbyters attraktiver machen und es gäbe wieder mehr Kandidaten und damit wieder Wahlen …
  • Internetseiten als Muster für Gemeinden, ein einheitliches CMS, das Rad nicht neu erfinden müssen (hier ist protestantische Vielfalt ein Resourcen-Killer …)

Und: Kirche muss endlich aufhören darüber zu reden, was nicht gemacht wird – reden wir über das was wir machen … Packen wir es selber an – lassen wir uns nicht entmutigen …

Wir müssen zu Glaubensaktivisten werden: Wir haben gute Botschaften – lasst sie uns erzählen … auf allen Wegen, auf allen Kanälen …

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