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Beispiel: Thesenanschlag in Schildgen

„Wie stelle ich mir die Zukunft der Kirche vor?“ fragten Konfirmandinnen und Konfirmanden an zentraler Stelle. Ja klar, die Vorbildveranstaltung vor beinahe 500 Jahren in Wittenberg war in allem etwas größer. Martin Luther war deutlich größer, die Türen waren breiter und höher. Aber während der Reformator der Überlieferung nach allein auf weiter Flur seine Thesen angenagelt haben soll, waren es in Schildgen mehr als 60 Menschen, die beteiligt waren.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden um Pfarrer Hermann Kotthaus und Diakonin Sabine Gresser-Ritter aus der Andreaskirche in Schildgen hatten sich zum Reformationstag etwas überlegt: Sie brachten am Morgen des 31. Oktobers die alten Kirchentüren der Andreaskirche auf den Edeka-Parkplatz an der Altenberger-Dom-Straße und luden Passanten ein, Thesen auf kleinen Zetteln an die Türen zu kleben.

Sechs von zehn haben mitgemacht
Das Thema war so einfach wie schwierig: „Wie stelle ich mir die Zukunft der Kirche vor?“ Über 60 Zettel mit ganz unterschiedlichen Aussagen zählte man am Ende des dreistündigen Thesenanschlags von Schildgen. Pfarrer Kotthaus zog eine durchweg positive Bilanz der Aktion mitten im Wochenendeinkauf: „Sechs von zehn Leuten, die wir angesprochen haben, haben mitgemacht.“

„Alle Religionen in einer Kirche“
Was wünschen sich die Leute von „ihrer“ Kirche in Zukunft? „Aktiv gegen Waffenlieferung. Glauben stärken. Mehr Hilfe für die Armen“, steht auf einem Zettel. Ökumene ist ebenfalls ein großes Thema: „Evangelische und katholische Kirche sollten endlich zusammenwirken“ und „Alle Religionen in einer Kirche“. Auch die „Zulassung aller Christen zu Abendmahl und Kommunion“ wurde gefordert. Ein weiteres Themenfeld: das Miteinander. „Offene, tolerante Gesellschaft, die jedem, der in Not ist, hilft, integriert und in unseren Reihen aufnimmt“, stand auf einem Zettel. Aber auch ganz schlicht: „Digital.“ Und ganz konkret: „Schade, dass das alte protestantische Liedgut immer mehr in den Hintergrund tritt.“

Idee aus dem „glaubensreich“-Projekt
„Wir haben viele Leute getroffen, die wir kannten. Der Thesenanschlag ist ja auch eine der Ideen aus dem ,glaubensreich‘-Prozess der Gemeinde. Was wollen die Menschen von der Kirche? Wir möchten, dass diese Frage aus den internen Prozessen raus kommt“, sagte Sabine Gresser-Ritter auf dem Parkplatz. Die Thesenzettel werden jetzt erst mal gesichtet.

Überraschend großes Interesse
„Einige von ihren werden sicher in einem Gottesdienst mit den Konfirmanden und Konfirmandinnen in Kürze eine Rolle spielen“, so Gresser-Ritter. Im November gestalteten die Konfirmanden und Konfirmandinnen den Gottesdienst sehr kreativ zu genau dieser Frage: Kirche der Zukunft. Sie setzten viele Ideen in kreative Beiträge um. Die reichten von ‚Massagesessel in der Kirche‘ bis zu ‚digitalen Gottesdiensten‘. Immer ging es um die Relevanz von Kirche für das Leben – vor allem von Jugendlichen.

Dann ist die ein Meter hohe knallrote Luther-Figur längst wieder an ihrem angestammten Platz im Martin-Luther-Haus. Kotthaus hatte sie für einen Tag ausgeliehen und prominent-unübersehbar auf den Bürgersteig vor Edeka gestellt.

Das letzte Wort hat ein Konfirmand: „Es war eine tolle Aktion. Die Leute waren sehr freundlich zu uns. Wir sind auf überraschend großes Interesse gestoßen“, lautete das Fazit von Kilian.

Text: Stefan Rahmann / Hermann Kotthaus
Fotos: Stefan Rahmann

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