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Kommt es wirklich vor allem auf die Haltung an?

Auf dem glaubensreich-Stand beim Kirchentag in Stuttgart haben wir Ideen gesammelt: Wie kommt das Neue in die Kirche? Was müsste unbedingt mal ausprobiert werden? Was bewegt mich glaubensreich? Jetzt habe ich die Antworten nochmal gesichtet – dabei mache ich eine interessante Entdeckung:

Viele Antworten setzen einen Schwerpunkt auf eine bestimmte Haltung. Es bräuchte beispielsweise Mut, Entschlossenheit, Offenheit, Vielfalt, Gleichberechtigung, Transparenz, Geduld. Daneben enthalten die meisten Ideen noch eine Menge weiterer „softer Faktoren“: das Alte immer wieder neu auf sich wirken lassen, Vorleben, mehr Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, in die Öffentlichkeit gehen, Beziehungen stiften, neue Ideen, aufeinander zugehen, Kreativität, Engagement, Bereitschaft, Tatkraft.

Mich stimmen diese Ideen nachdenklich. Sind das „Faktoren“, die den kirchlichen Akteuren aktuell fehlen? Kann man daraus eine Kritik ableiten? Welche Haltung liegt denn bei den kirchlich Engagierten vor? Sind sie nicht mutig und entschlossen? Nicht offen und geduldig? Stiften sie keine Beziehungen? Haben sie keine neuen Ideen? Fehlt es wirklich an Bereitschaft und Tatkraft? Oder wird hier indirekt von allem einfach „mehr“ gefordert?

Also nicht „mehr“ an Aktion, sondern „mehr“ an Haltung. „Mehr“ davon, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln. Vielleicht müsste man dann im Gegenzug etwas weniger an Aktion machen, und die dafür „richtig“? Oder die Aktionen werden auf mehr Schultern verteilt? Aber dafür müsste man ja erst mal mehr Leute gewinnen – und das geht wiederum wahrscheinlich nur mit der „richtigen“ Haltung.

Und mit der „richtigen“ Haltung käme das Neue dann einfach so in die Kirche? Sollte ich mir das so vorstellen?

Ehrlich gesagt bin ich eher der Überzeugung, dass eine bestimmte Haltung zwar eine wichtige Grundlage bildet. Dann braucht es aber Aktionen, die ins Hier und Jetzt passen – in den ganz normalen Kalender. Die Themen und Aktivitäten aufgreifen, die den Menschen vertraut sind, die sie wirklich betreffen und interessieren. Und für diese Aktionen sind kommunikative Mittel notwendig, die sich im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit durchsetzen können. Verstärkt von Fürsprecherinnen, Multiplikatoren und Weitersagern. Und am Besten sind solche Aktionen keine Eintagsfliegen, sondern gut auffindbar, an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten. Unabhängig von Gemeinde- oder Konfessionsgrenzen.

Das Neue kommt, wenn man auf den Menschen eingeht, so wie er gerade ist. Dort, wo er oder sie gerade steht. Aus dieser Perspektive auf Kirche schauen. Dabei braucht man ja nicht seine Überzeugungen anpassen. Aber doch seine Art und Weise wie man diese zum Ausdruck bringt.

„Den Menschen dort abholen, wo er gerade steht“ – Eine viel beschworene Formel. Würde sie doch konsequent umgesetzt!

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