Allgemein, Blog

#5 Herausforderung und Engagement: Christian Weyer

Drei Fragen an Christian Weyer. Er ist hauptamtlicher Superintendent in Saarbrücken. Dabei liegt ihm besonders am Herzen, dass das Gemeindeleben vor Ort trotz Pfarrermangel und finanziell engen Rahmenbedingungen lebendig und vielfältig bleibt.

Welche Herausforderung spüren Sie aktuell in Ihrem Engagement?

An vielen Orten des Kirchenkreises erlebe ich Müdigkeit und Niedergeschlagenheit. Immer mehr Personen müssen ein Arbeitspensum bewältigen, das mindestens gleich bleibt, wenn nicht sogar wächst. Dabei drängen sich Verwaltungsfragen immer stärker in den Vordergrund. Und die hohe Belastung der Kirchengemeinden durch landeskirchliche Umlagen, Pauschalen für die Gebäudeunterhaltung und Verwaltungskosten hat an vielen Orten bereits das Maß des Erträglichen überschritten.

Da ist es mir wichtig, zum einen für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen – zum Beispiel in der Landessynode. Zum anderen mache ich Mut zum Loslassen und Weglassen. Das tue ich vor allem, damit wieder Freiräume entstehen für die Besinnung auf das, was uns trägt.

Welche Ansätze und Ideen verfolgen Sie zur Zeit?

Das Reformationsjubiläum ist für mich eine hervorragende Gelegenheit, um Themen und Inhalte unseres Glaubens und unserer Konfession wieder unter dem Scheffel hervorzuholen und leuchten zu lassen. Das gelingt im Saarland sehr gut: Das Reformationsjubiläum hat hier zu einer neuen Lust auf Themen des Glaubens geführt. Sieben Arbeitsgruppen bereiten zur Zeit ein qualitativ hochstehendes Programm für das Jubiläumsjahr vor.

Wichtig ist mir aber auch, dass nicht nur geschafft und gemacht wird, sondern dass auch Zeit zum geistlichen Atemholen ist. Erstmals war im letzten Jahr eine Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern des Kirchenkreises drei Tage lang gemeinsam im Haus der Stille. Das hat uns allen sehr gut getan und uns in neuer Art auch geistlich miteinander verbunden.

Welche Wünsche und Visionen haben Sie für die Zukunft der Kirche?

Ich träume von einer Kirche, die sich nicht auf Formen und Traditionen festlegt, sondern bereit ist, sich auf vollkommen Neues einzulassen. Den sonntäglichen 10-Uhr-Gottesdienst gibt es schließlich nicht seit dem Stall von Bethlehem, sondern er ist aus einer zeitgeschichtlichen Notwendigkeit entstanden. Wir brauchen heute neue Formen und neue Weisen, Gott zu dienen und uns von Gott dienen zu lassen. Unser Denken kann und soll dabei auch unsere bisherigen Grenzen überschreiten. Nichts ist unmöglich – wenn es uns nur hilft, offen zu werden für die Liebe Gottes. Unsere Kirche braucht weniger Funktionäre und mehr Überzeugungstäter. Unsere Kirche braucht weniger Rahmenordnungen und Leitbilder und mehr Vertiefung in den Glauben an Jesus Christus.