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#3 Herausforderung und Engagement: Ulrich Erker-Sonnabend

Drei Fragen an Ulrich Erker Sonnabend. Er ist Leiter der Evangelischen Pressestelle Düsseldorf. In diesem Zusammenhang setzt er sich immer wieder mit der Frage auseinander, wie kirchliche Botschaften bei den Menschen ankommen.

Welche Herausforderung spüren Sie aktuell in Ihrem Engagement?

Was mich in meinem Beruf und in meiner Arbeit als Leiter einer evangelischen Pressestelle herausfordert? Die Botschaft des Christentums und der Kirche in einer sich gerne säkular gebenden Welt hörbar werden zu lassen!

Bei meinem Tun in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erfahre ich manchmal hautnah, dass manche mit der Kirche nichts zu tun haben möchten und manche auch das Christsein nicht mehr wahrnehmen möchten. Unsere Nachrichten zu verbreiten, ist auch schon mal unbequem. Und doch gibt es natürlich dann die guten Momente des Gelingens. Das christlich motivierte Engagement für die Flüchtlinge zum Beispiel gehört hierher. Die Gestaltung einer Willkommenskultur in einer Stadt wie Düsseldorf hat viel mit dem Engagement vieler in den Kirchengemeinden zu tun. Auch das Auftreten gegen die kruden rechtsradikalen Meinungen, die derzeit in unserer Gesellschaft kursieren.

Das alles versuchen wir von der Evangelischen Pressestelle aus zu unterstützen – auf vielen Kanälen, längst nicht mehr nur mit den Mitteln der klassischen Öffentlichkeits- und Pressearbeit. Networking, Twitter, Facebook, Storifying, Rundfunkbeiträge, Videos. All dies für das Weitergeben wichtiger und guter Nachrichten zu nutzen und die Mittel moderner Kommunikation nicht als „böses“ Tun anzusehen – auch das ist im kirchlichen Kontext eine Herausforderung. Um es klar zu sagen: Es geht nicht darum, die modernen Medien zu nutzen, nur weil sie modern sind. Die modernen Medien sind als Mittel der Verkündigung zu entdecken, weil sie Menschen erreichen, die in den elektronischen Netzen der Welt unterwegs sind. Wenn sie dabei dann sich auch vom Christentum und Kirche berühren lassen … Also: nicht vergessen, warum wir uns solcher Kommunikationsmittel bedienen und aus welcher Überzeugung heraus wir das tun!

Dazu sind auch Momente des Innehaltens und Insichgehens erforderlich. Solche Momente im Alltag der Medienhektik zu finden, gehört auch auf die Seite der Herausforderungen. Vielleicht deshalb – sicherlich auch durch unsere manchmal etwas andere Focussierung von Themen – werden wir als Journalisten von Journalisten wahrgenommen als Lieferanten von ein wenig anderen Nachrichten – etwa wenn wir den Medien die Geschichte von der Frau liefern, die durch ihr kirchliches Engagement für eine Afrikanerin nach Jahren ein deutliches Selbstbewusstsein bekommen hat und im Alter sich dann traut als Au-pair-Granny durch die Welt zu ziehen, heute in London, morgen in Rio.

Welche Ansätze und Ideen verfolgen Sie zur Zeit?

Im Grundsatz geht es mir seit vielen, vielen Jahren darum, den Weg zu einer kommunikativen Kirche zu gehen. Kommunikative Kirche natürlich als eine Kirche, die das Evangelium zeitgenössisch kommuniziert, die aber auch in allem anderen, was sie tut, zeitgenössisch ist – mit ihren Fragen und Antworten, mit dem, womit sie die Menschen berührt. Dabei auch die kommunikativen Mittel und Wege das 21. Jahrhunderts parat zu haben, ist ein großes Feld, das zu beackern ist.

Hier versuche ich, praktikable Packenden zu finden. Etwa, wenn ich zurzeit darüber nachdenke, wie eigentlich eine kirchliche Internetseite des 21. Jahrhunderts aussehen sollte, die die Themen (nicht die Strukturen) abbildet, die Menschen berühren. Das ist keine Aufgabe, die alleine zu lösen ist – deshalb bin ich froh darüber, dass ich Sachverständige und Kollegen gefunden habe, die an dieser Frage auch kauen. Das ist es nämlich: unsere Nachbarn, Freunde, Kollegen, all die Menschen um uns herum haben Fragen (mal tiefer und ernster, mal verspielter und heiterer) zum Leben, zum Dasein, zur Existenz; sie haben auch Antworten; sie haben aber auch das Bedürfnis sich zu Themen und Meinungen zu verhalten. Darum geht es – und darum, dass die Kirche ihre Kernthemen und Antwortversuche hat. Das deutlich zu machen und in den Horizont der Welt zu bringen, ist die Kärrneraufgabe – daran taste ich mich (wie gesagt: zum Glück nicht alleine) heran.

Welche Wünsche und Visionen haben Sie für die Zukunft der Kirche?

Kirche erkenne, dass die Strukturvernarrtheit nicht die Zukunft ist. Sei eine Kirche, die flexibel ist, die auf die Fragen und Sorgen, aber auch auf die Freuden und das Lachen der Menschen reagiert. Sei eine Kirche, die weiß, dass sie Kirche im 21. Jahrhundert ist. Sei eine Kirche, die sich darüber bewusst ist, dass sie in einer Welt Kirche ist, in der die Menschen völlig anders leben als noch vor zehn Jahren. In einer Welt, wo die feste Arbeitsstelle und Lebensplanung längst abgelöst ist durch ein Arbeitsleben in Praktikumsnähe, durch eine Lebensplanung, die mehr mit Brüchen zu rechnen hat als mit geraden Wegen.

Und: Sei dir klar darüber, dass die großen Fragen der Welt derzeit an den Zäunen der Vorgärten in den Stadtrandsiedlungen verhandelt werden, wo die Flüchtlingsheime aufgebaut sind. Sage die gute Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen – auf eine Art und Weise, wie sie die Menschen des 21. Jahrhunderts berührt, bewegt und erreicht, mit Vernunft, mit Überraschung, mit Emotion. Höre die Menschen in ihrem Leben und rede mit ihnen. Sei kommunikativ!

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